Drei Buchstaben, entdeckt auf einer Produktseite oder in einem Sicherheitsdatenblatt: CMR. Das Kürzel kann einen schon beunruhigen, und der erste Reflex ist nur allzu verständlich: Man lässt das Produkt lieber links liegen und greift zu etwas anderem.

Viele von Ihnen fragen uns übrigens genau danach. Es ist wohl einer der am häufigsten missverstandenen Punkte bei der Herstellung von Kerzen und Wachsfondants – so viele Irrtümer ranken sich darum:

  • Garantieren die Angaben „ohne CMR“ oder „ungiftig“ ein zu 100 % unbedenkliches Produkt? Ein Duftöl kann als CMR eingestufte Stoffe in geringer Konzentration enthalten, ohne dass diese zwingend in allen regulatorischen Dokumenten aufgeführt werden müssen. Die Pflichten hängen vom jeweiligen Stoff, seiner Einstufung und den geltenden Schwellenwerten ab. Volle Transparenz: Wir weisen alles aus, selbst kleinste Spuren.
  • Ist „natürlich“ ungefährlich und „CMR“ zwangsläufig synthetisch? Manche als CMR eingestufte Stoffe kommen von Natur aus in Parfümrohstoffen vor. Ob natürlich oder synthetisch, sagt für sich genommen nichts über die Gefahr aus, die von einem Stoff ausgeht. Sorgfalt: Wir beurteilen jeden Stoff nach seinen Daten, nicht nach seiner Herkunft.
  • Ist eine Formel ein für alle Mal festgelegt? Die Wissenschaft entwickelt sich weiter, und die europäischen Einstufungen ändern sich regelmäßig. Flexibilität: Wir überprüfen unsere Formulierungen, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Änderungen der Vorschriften oder der maßgeblichen Standards dies rechtfertigen.
  • Sind CMR, Phthalate, Allergene und endokrine Disruptoren dasselbe? Es handelt sich um unterschiedliche Kategorien, die sich lediglich überschneiden können. Präzision: Jede Gruppe wird gesondert dokumentiert.
  • Brennen Kerzen mit einem Duftöl „ohne CMR“ besser und rußen sie weniger? Das Brennverhalten hängt vom Wachs, vom Docht und von der Dosierung ab, nicht von CMR-Stoffen. Aufklärung: Wir erklären, worauf es wirklich ankommt.

Keine dieser Annahmen hält einer genauen Prüfung stand.

Denn was über das Risiko entscheidet, ist nicht das bloße Vorhandensein eines Stoffes, sondern seine Eigenschaften, sein Anteil und die Art, wie das Produkt verwendet wird.

Deshalb haben wir uns entschieden, alles offen und transparent auf den Tisch zu legen: was „CMR“ wirklich bedeutet, welche Rolle diese Moleküle in einem Duft spielen, was die Vorschriften genau besagen, wo das tatsächliche Risiko bei einer Kerze liegt und warum eine Änderung der Vorschriften dazu führen kann, dass ein Duftöl neu formuliert wird. Belegt mit Zahlen aus unseren eigenen Kompositionen.


1. Was ist ein CMR-Stoff?
2. Welche Rolle spielt ein CMR-Stoff in unseren Duftölen?
3. CMR in Ihren Kerzen: Wie groß ist das Risiko wirklich?
4. Unsere Haltung
5. Häufige Fragen
6. Unsere Tipps für eine sorgenfreie Verwendung
7. Fazit
8. Quellen


Was ist ein CMR-Stoff?

Per Definition bezeichnet CMR Stoffe mit krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Eigenschaften. Diese Eigenschaften können sowohl Stoffe natürlichen Ursprungs als auch synthetische Stoffe betreffen. Einige davon finden sich in Duftölen für Kerzen. Keine Panik: Wir erklären Ihnen genau, wie und warum wir sie einsetzen.

Aber was bedeutet dieses etwas einschüchternde Kürzel eigentlich? CMR steht für cancerogen, mutagen und reproduktionstoxisch. Schauen wir uns das genauer an.

Was bedeutet CMR? Die drei Gefahren kurz erklärt

  • Cancerogen (auch karzinogen oder krebserzeugend): chemischer Stoff, der Krebs auslösen kann.
  • Mutagen: Stoff, der Veränderungen (Mutationen) im Erbgut hervorrufen kann. Mutagenität und Karzinogenität sind zwei unterschiedliche toxikologische Eigenschaften, auch wenn manche Stoffe beide Gefahren aufweisen.
  • Reproduktionstoxisch: Stoff, der die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder während der Schwangerschaft Fehlbildungen verursachen kann.

Die Einstufung von CMR-Stoffen und die Kommunikation ihrer Gefahren sind durch das europäische Recht streng geregelt. Je nach Konzentration, Einstufung und geltenden Regeln müssen bestimmte Angaben auf dem Etikett oder in der regulatorischen Dokumentation erscheinen.

Das mag auf den ersten Blick beängstigend wirken. Dabei ist eine grundlegende Unterscheidung wichtig: Die Verdünnung eines Stoffes im Endprodukt senkt seine Konzentration und kann die Exposition verringern. Für sich allein reicht sie jedoch nicht aus, um das Risiko bei der Verwendung der Kerze zu bestimmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt:
Nicht alle CMR-Stoffe sind gleich. Sie werden je nach verfügbarer Beweislage in mehrere Kategorien eingeteilt:

  • 1A – beim Menschen nachgewiesene Wirkung;
  • 1B – wahrscheinliche Wirkung, gestützt auf Studien;
  • 2 – Verdacht auf eine Wirkung, ohne Bestätigung.

Infografik: die CMR-Einstufung – cancerogen, mutagen und reproduktionstoxisch – mit den Beweisstufen 1A, 1B und 2

Wir erklären Ihnen also, was das Vorhandensein dieser Stoffe konkret bedeutet, wie die Vorschriften ihre Konzentration regeln und warum ihr Vorhandensein in geringer Konzentration nicht automatisch heißt, dass die Kerze ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Und nicht zuletzt, was sie tatsächlich zum Duftbild Ihrer Düfte beitragen.

Alles eine Frage der Mengenverhältnisse

In der Toxikologie bringt ein Grundsatz alles auf den Punkt: „Die Dosis macht das Gift.“ Nicht das bloße Vorhandensein eines Stoffes bestimmt die Gefahr, sondern die Menge, um die es geht, und die Art, wie man ihm ausgesetzt ist.

Um die Bedeutung der Mengenverhältnisse greifbar zu machen, nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag: Chlorreiniger. Fast jeder Haushalt hat ihn im Schrank, und wir alle wissen, wie gefährlich dieses Haushaltsprodukt sein kann. Das Risiko geht dabei nicht von einem CMR-Stoff aus – Chlorreiniger enthält keinen –, ist aber deshalb nicht weniger ernst zu nehmen.

Wird dieselbe Chlorlösung (Natriumhypochlorit) dagegen zur Desinfektion von Schwimmbadwasser eingesetzt, ist sie weit weniger riskant: Deshalb hängen die Gefahrenpiktogramme Ihrer Flasche zum Glück nicht am Eingang zum städtischen Schwimmbad! Den entscheidenden Unterschied macht die Verdünnung in einer großen Wassermenge.

Bei unseren Duftölen ist es genauso. Wenn ein CMR-Stoff im Sicherheitsdatenblatt (SDB) aufgeführt ist, denken Sie daran, dass sich die Angabe auf den Anteil im unverdünnten Produkt bezieht, also auf den prozentualen CMR-Anteil, bezogen auf die Gesamtmenge an reinem Duftöl.

In einer Duftkerze liegt die übliche Dosierung jedoch bei 10 % Duftöl auf 90 % Wachs. Diese Verdünnung verringert zusätzlich den Anteil potenziell bedenklicher Stoffe in Ihrem Endprodukt.

Hinzu kommt der Expositionsweg: Eine Kerze verteilt einen bereits verdünnten Duft langsam im ganzen Raum. Das ist etwas ganz anderes als der direkte Umgang mit einem reinen Konzentrat. Dosis und Expositionsweg sind also zwei entscheidende Größen für die tatsächliche Exposition.

Eine Kerze verhält sich allerdings nicht wie ein bloßer Duftspender. Beim Brennen wird durch Hitze und Verbrennung ein Teil der Bestandteile umgewandelt und gasförmig oder in Form von Partikeln freigesetzt. Bei der Bewertung der Exposition müssen daher auch die verbrennungsbedingten Emissionen, die Brenndauer und die Raumbelüftung berücksichtigt werden. Genau deshalb sind unsere Anwendungstipps am Ende dieses Artikels keine Nebensache.


Welche Rolle spielt ein CMR-Stoff in unseren Duftölen?

Unsere Duftöle beruhen zu einem großen Teil auf natürlichen Stoffen. Daher finden sich darin häufig CMR-Stoffe, die für das Duftbild oft eine echte Rolle spielen. Sie einfach wegzulassen, würde die Qualität und den Facettenreichtum der Düfte nur schmälern.

Ohnehin sind CMR-Stoffe in der Natur nichts Außergewöhnliches. Wussten Sie, dass Apfelkerne oder Bittermandeln von Natur aus Cyanid enthalten? Die Natur ist komplex, und viele natürliche Rohstoffe enthalten als CMR eingestufte Moleküle. Bei unseren Duftölen ist es nicht anders: Eine natürliche Rose ist ein Zusammenspiel komplexer Moleküle. Das Vorhandensein einer solchen Verbindung ist also für sich genommen kein Zeichen für ein gefährliches Produkt. Unsere Aufgabe ist es, die Dosis genau im Griff zu behalten, damit allein der Duft seine Magie entfaltet.

Ein anschauliches Beispiel: Manche ätherischen Öle, ob in Bio-Qualität oder nicht, können von Natur aus Stoffe mit bedenklichen toxikologischen Eigenschaften enthalten. Aus diesem Grund raten wir von ätherischen Ölen in Kerzen ab. Ihr natürlicher Ursprung ist für sich allein also keine Garantie für Unbedenklichkeit.


CMR in Ihren Kerzen: Wie groß ist das Risiko wirklich?

Hier unsere offenen Antworten auf die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden.

  • Ja, einige unserer Duftöle enthalten CMR-Stoffe.
  • Nein, ihr Vorhandensein in geringer Konzentration lässt für sich allein nicht auf ein erhebliches Gesundheitsrisiko schließen.

Wie hoch das Risiko ist, hängt vom betreffenden Stoff, seiner Konzentration, dem Expositionsweg und der Expositionsdauer sowie von den Verwendungsbedingungen ab. Genau das erläutern wir im Folgenden.

Ein anspruchsvoller Anforderungskatalog

Wir arbeiten mit einem sehr strengen Anforderungskatalog, der darauf abzielt, den Einsatz von CMR-Stoffen zu minimieren und zugleich ein optimales Duftbild zu bewahren. Entspricht ein Stoff nicht unseren Herstellungskriterien, wählen wir Rohstoffe aus, die unsere Formulierungsanforderungen erfüllen, und prüfen ihr Verhalten unter den vorgesehenen Verwendungsbedingungen, um ihn zu ersetzen oder zu ergänzen. Dabei verfolgen wir ein doppeltes Ziel: mögliche Risiken beherrschen und Ihnen zugleich die bestmögliche Qualität bieten. Genau darin liegt unsere Balance: Die Natur liefert uns die Duftinspiration, die Wissenschaft ermöglicht es uns, die verwendeten Stoffe besser zu charakterisieren, ihre Formulierung zu kontrollieren und die mit ihrer Verwendung verbundenen Risiken zu verringern.

Streng geregelte Konformität

Über unseren eigenen Anforderungskatalog hinaus unterliegen unsere Duftöle einem strengen europäischen Rechtsrahmen. Die CLP-Verordnung regelt die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, die REACH-Verordnung deren Registrierung und Bewertung auf europäischer Ebene.

Vor allem beruht die Sicherheit nicht auf einem bloßen Versprechen, sondern auf offiziellen Dokumenten, die wir Ihnen für jedes Duftöl zur Verfügung stellen:

  • das Sicherheitsdatenblatt (SDB), das die maßgeblichen regulatorischen Informationen zu Zusammensetzung, Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung enthält;
  • das IFRA-Konformitätszertifikat (International Fragrance Association), das bestätigt, dass der Duft die für die vorgesehene Verwendung geltenden IFRA-Standards einhält, und die entsprechenden Höchstdosierungen angibt;
  • die Allergenliste, eine wertvolle Hilfe bei empfindlicher Haut.

All das sind transparente Nachweise, auf die Sie sich voll und ganz verlassen können. Diese Dokumente ersetzen jedoch weder die Sicherheitsbewertung noch die rechtlichen Pflichten, die für Ihr eigenes Endprodukt gelten.

Wenn ein Stoff neu eingestuft wird: die Neuformulierung

Ein oft übersehener Punkt:
Eine Einstufung ist nie endgültig. Auf europäischer Ebene bewertet die ECHA (Europäische Chemikalienagentur) die verfügbaren wissenschaftlichen Daten laufend neu, und es kommt regelmäßig vor, dass ein Molekül, das seit Jahren ohne besondere Einstufung verwendet wird, als CMR neu eingestuft wird. Das Molekül selbst hat sich nicht verändert – der Wissensstand hat sich weiterentwickelt.

Die Folge ist ganz konkret: Ändert sich die rechtliche Einstufung eines Bestandteils, kann das dazu führen, dass ein Duftöl überarbeitet wird, das unseren internen Kriterien dann nicht mehr entspricht. Nicht, weil sich seine Formel verändert hat, sondern weil sich der rechtliche Status eines seiner Bestandteile geändert hat.

In diesem Fall lassen wir es nicht dabei bewenden: Wir leiten eine Neuformulierung ein. Unsere Parfümeure überarbeiten die Formel so, dass sie wieder unseren Kriterien entspricht, und versuchen dabei, so nah wie möglich am ursprünglichen Duftprofil zu bleiben. Auch deshalb kann sich ein Duft im Laufe der Zeit leicht verändern: nicht aus kommerziellen Gründen, sondern um konform zu bleiben.

„Enthält“ oder „ohne CMR“: Was das wirklich bedeutet

Auf den Produktseiten unserer Duftöle finden Sie immer die Angabe, ob CMR-Stoffe enthalten sind oder nicht. Schauen Sie aber über diese Angabe hinaus: Entscheidend ist vor allem der Anteil dieser Stoffe. Kein Grund also, vorschnell in Sorge zu geraten.

Wenn wir „ohne CMR“ angeben, beruht diese Angabe auf unseren Kriterien und der Bescheinigung unseres Parfümeurs. Dieses CMR-Zertifikat ist das Dokument, mit dem sich das Fehlen oder Vorhandensein von als CMR eingestuften Stoffen in einem Duftöl nachweisen lässt. Es ist rechtlich nicht vorgeschrieben: Ob es ausgestellt wird, liegt im Ermessen der Parfümeure. Wir lassen es uns für jedes unserer Duftöle ausstellen und machen es Ihnen zugänglich.

Daraus ergibt sich ein wesentlicher Punkt: Wenn ein Gemisch nicht als CMR eingestuft ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass kein Stoff mit einer intrinsischen CMR-Eigenschaft darin enthalten ist. Eine Aussage „ohne CMR“ muss daher genau definiert sein und darf nicht mit den Einstufungsgrenzwerten der CLP-Verordnung verwechselt werden. Ist ein Stoff nur in sehr geringer Menge enthalten, unterliegt er je nach geltenden Schwellenwerten und Regeln unter Umständen nicht der Angabepflicht im SDB. Das ist zum Beispiel bei unserem Duftöl Orangenblüte der Fall: Der Stoff ist darin tatsächlich enthalten, aber in einem zu geringen Anteil, um im SDB aufgeführt zu werden. Das kann verwirren: Auf der Produktseite steht „enthält“, im SDB findet man jedoch keine entsprechende Angabe. Wir entscheiden uns trotzdem für Transparenz und geben es deutlich an.

Ein konkretes Beispiel für die Einstufung

Um die Gefährlichkeit chemischer Stoffe zu beurteilen, gibt es verschiedene Einstufungstabellen nach den CLP-Vorgaben. Sie geben die Schwellenwerte bzw. Anteile an, ab denen die Gefahr eines Stoffes dazu führt, dass das Gemisch eingestuft wird, und unter anderem die Kennzeichnung mit Gefahrenpiktogrammen auslöst.

Sehen wir uns einen Auszug aus diesen Tabellen an. Als Beispiel nehmen wir hier reproduktionstoxische Stoffe der Kategorie 2, die in Duftölen für Kerzen am häufigsten vorkommen.

Der gewählte Auszug nennt für einen als Repr. 2 eingestuften Bestandteil einen Wert von 0,1 % und einen Einstufungsgrenzwert für das Gemisch von ≥ 3 %. Für einen als Lact eingestuften Bestandteil (Wirkungen auf oder über die Laktation) wird derselbe Wert von 0,1 % angegeben.

Was Sie sich merken sollten:
Im Regelfall gilt für ein Gemisch, das einen als Repr. 2 eingestuften Stoff enthält, ein allgemeiner Konzentrationsgrenzwert von 3 %. Dieser Wert ist jedoch kein universeller Schwellenwert: Für bestimmte Stoffe können spezifische Grenzwerte gelten, und die Einstufungsregeln müssen im Einzelfall geprüft werden.

In einer unserer Kompositionen haben wir folgende Angaben gefunden:

„Enthält CMR-Stoffe; sofern es sich um einen indirekten Eintrag handelt, ist dieser bei guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar.“

Aufgeführt sind drei Stoffe; beim Anteil, der der Formel zugesetzt wurde, steht jeweils „n.d.“:

  • p-Cymol (CAS-Nr. 99-87-6): 0,0020 %;
  • Estragol (Methylchavicol), eingestuft als CAR2 (CAS-Nr. 140-67-0): 0,0039 %;
  • Delta-3-Caren (CAS-Nr. 13466-78-9): 0,0392 %.

Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens dieses „n.d.“ bei allen drei Stoffen: Keiner dieser Stoffe wurde der Formel zugesetzt. Sie stammen vollständig aus einem indirekten Eintrag natürlichen Ursprungs, also aus Molekülen, die von Natur aus in den verwendeten Rohstoffen vorkommen. Wie der Parfümeur in seiner Erklärung angibt, ist dieser Eintrag technisch unvermeidbar, selbst bei guter Herstellungspraxis.

Zweitens die Mengen: Zusammengerechnet machen diese drei Stoffe 0,0451 % des Duftölkonzentrats aus – wohlgemerkt im unverdünnten Zustand.

Gehen wir das Beispiel Schritt für Schritt durch:

  • das gewählte Duftöl enthält tatsächlich CMR-Stoffe;
  • keiner davon wurde der Formel zugesetzt – sie stammen aus einem technisch unvermeidbaren indirekten Eintrag natürlichen Ursprungs;
  • ihr Anteil im Duftölkonzentrat beträgt 0,0451 %, im Endprodukt bei einer Dosierung von 10 % also nur 0,00451 %;
  • um die oben als Beispiel genannte Einstufung zu erreichen, wäre jedoch ein Anteil von mindestens 3 % nötig.
Infografik: Verdünnung eines Duftölkonzentrats in einer Kerze – von 0,0451 % auf 0,00451 % CMR-Stoffe im Endprodukt

Damit bleiben wir auch unter 0,1 %. Dieser Wert ist jedoch kein universeller Schwellenwert für die Angabepflicht: Die Informationspflichten hängen vom Stoff, seiner Einstufung und den geltenden Rechtsvorschriften ab.

Diese Konzentrationen sind gering und lassen für sich genommen nicht den Schluss zu, dass das Duftöl als reproduktionstoxisch eingestuft ist. Sie reichen jedoch nicht aus, um zu belegen, dass das Risiko bei der Verwendung der Kerze gleich null oder vernachlässigbar ist: Dieses hängt auch von den Eigenschaften der betreffenden Stoffe, von der Exposition und von den verbrennungsbedingten Emissionen ab.


Unsere Haltung

Über die Vorschriften hinaus möchten wir Ihnen ganz offen unsere Position darlegen.

Warum wir bewusst auf eine große Duftauswahl setzen

Wir stehen also zu unserer Entscheidung: Wir setzen auf eine riesige Auswahl hochwertiger Duftöle. Denn entgegen einer verbreiteten Annahme ist ein CMR-Stoff nicht zwangsläufig synthetisch:

  • manche dieser Moleküle sind in Parfümrohstoffen von Natur aus enthalten;
  • erst durch sie können viele Düfte auf natürliche Weise entstehen und ihren ganzen olfaktorischen Reichtum entfalten;
  • sie systematisch zu entfernen, würde die Duftpalette, die wir Ihnen anbieten können, drastisch einschränken.

Statt auf diese Duftöle zu verzichten, entscheiden wir uns dafür, sie streng zu kontrollieren und Sie klar und verständlich zu informieren. Wir geben das mögliche Vorhandensein von CMR-Stoffen systematisch auf jeder Produktseite an – über die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben hinaus. Bewusste Transparenz, damit Sie mit gutem Gefühl kreativ werden können.


Häufige Fragen

Ist „ohne CMR“ eine Garantie für ein sichereres Produkt?

Nicht unbedingt. Die Angabe „ohne CMR“ bedeutet lediglich, dass eine bestimmte Stoffkategorie fehlt; sie sagt nichts über die Dosis aus und nichts über die übrigen Bestandteile. Was das Risiko tatsächlich bestimmt, sind der Anteil des Stoffes und die Art, wie das Produkt verwendet wird. Ein Duftöl mit einer winzigen Spur eines CMR-Stoffs, stark verdünnt in einer Kerze, kann beruhigender sein als ein Produkt „ohne CMR“, das unter ungünstigen Bedingungen verwendet wird.

CMR, Phthalate, Allergene, endokrine Disruptoren: Ist das dasselbe?

Nein – und diese Verwechslung ist weit verbreitet. Es handelt sich um unterschiedliche Begriffe, auch wenn sie sich manchmal überschneiden können:

  • CMR-Stoffe bilden eine regulatorische Kategorie (cancerogen, mutagen, reproduktionstoxisch);
  • Phthalate sind eine Stoffgruppe, bei der teilweise hormonelle Wirkungen vermutet werden; mehrere davon sind als CMR eingestuft und heute verboten – das sind die, die man mit Kunststoffen und Spielzeug in Verbindung bringt. In der Parfümerie ist unter strengen Auflagen nur noch eines zugelassen: Ethylphthalat (DEP), das nicht als CMR eingestuft ist und nach geltendem Recht nicht als gefährlich gilt. Es ist daher das einzige, das in unseren Duftölen vorkommen kann;
  • endokrine Disruptoren wirken auf das Hormonsystem;
  • Allergene können Haut- oder Atemwegsreaktionen auslösen.

Ein Duftöl kann durchaus „ohne CMR“ sein und trotzdem Allergene enthalten – und umgekehrt. Deshalb gilt: Die Sicherheit eines Duftes lässt sich nie auf eine einzige Angabe reduzieren. Wenn Sie CMR-Stoffe und Ethylphthalat auf einen Schlag ausschließen möchten: Unsere Kollektion Düfte ohne CMR und ohne Ethylphthalate vereint alle Duftöle, die keinen einzigen als CMR eingestuften Stoff enthalten und aus denen zudem das Ethylphthalat entfernt wurde – eine Entscheidung für Transparenz, keine gesetzliche Pflicht.

Bietet ein Duftöl „ohne CMR“ absolute Unbedenklichkeit?

Kein Duftöl, so sorgfältig es auch entwickelt sein mag, kann absolute Unbedenklichkeit für sich beanspruchen: Auch ein Produkt „ohne CMR“ kann natürliche Allergene enthalten. Echte Sicherheit beruht nicht auf einem Versprechen, sondern auf transparenten Dokumenten – Sicherheitsdatenblatt, Allergenliste – und auf der Einhaltung der empfohlenen Dosierungen.

Sind CMR-Stoffe auch in sehr geringer Dosis gefährlich?

Die Vorschriften beruhen auf Einstufungsgrenzwerten, die sich auf die intrinsische Gefahr der Stoffe beziehen und nicht auf eine Bewertung der Exposition. Unterhalb eines bestimmten Anteils wird ein Gemisch nicht eingestuft – was aber nicht heißt, dass das Risiko bei der Verwendung gleich null ist. Dieses Risiko hängt auch von der Verdünnung (etwa 10 % Duftöl auf 90 % Wachs), den verbrennungsbedingten Emissionen, der Brenndauer und der Belüftung ab.

Brennen Kerzen mit einem Duftöl „ohne CMR“ besser und rußen sie weniger?

Das ist ein Irrtum. Die Brennqualität – ruhige Flamme, kein schwarzer Rauch, kein „Pilzkopf“ am Docht – hängt vor allem vom Wachs, vom Docht, von der Dosierung und von den Brennbedingungen (Luftzug, Brenndauer) ab. Ob CMR-Stoffe enthalten sind oder nicht, hat an sich keinen direkten Einfluss auf diese Phänomene.

Wie lässt sich konkret prüfen, was ein Duftöl enthält?

Anhand offizieller Dokumente – nicht anhand bloßer Werbeaussagen:

  • das Sicherheitsdatenblatt (SDB), das die maßgeblichen regulatorischen Informationen zu Zusammensetzung, Gefahren und Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung enthält;
  • das IFRA-Konformitätszertifikat, das bestätigt, dass der Duft die für die vorgesehene Verwendung geltenden IFRA-Standards einhält, und die entsprechenden Höchstdosierungen angibt;
  • das aktuelle CMR-Zertifikat, das bescheinigt, ob CMR-Stoffe im Duftöl enthalten sind oder nicht;
  • die Allergenliste, hilfreich bei empfindlicher Haut.

Auf diese Unterlagen können Sie sich beim kreativen Arbeiten verlassen – weit mehr als auf einen einzelnen Marketing-Hinweis.


Unsere Tipps für eine sorgenfreie Verwendung

Die Formulierung und die Verwendungsbedingungen spielen beide eine wichtige Rolle dafür, wie stark man den Emissionen einer Kerze ausgesetzt ist. Diese Gewohnheiten empfehlen wir Ihnen:

  • Lüften Sie den Raum etwa zehn Minuten lang, nachdem Sie Ihre Kerze angezündet haben, und danach regelmäßig;
  • Kürzen Sie den Docht vor jedem Anzünden auf etwa 5 mm: Das begrenzt die Flammenhöhe und die Rauchentwicklung;
  • Achten Sie auf einen richtig dimensionierten Docht – die Voraussetzung für einen sauberen, gleichmäßigen Abbrand;
  • Wir empfehlen, die Kerze nicht länger als 2 Stunden am Stück brennen zu lassen, vor allem in geschlossenen Räumen.

Und schließlich empfehlen wir – rein nach dem Vorsorgeprinzip und nicht wegen einer nachgewiesenen Gefahr – eine maßvolle Verwendung und gutes Lüften, wenn sich kleine Kinder oder Schwangere längere Zeit im Raum aufhalten.


Fazit

Ja, CMR-Stoffe können gefährlich sein, und wir haben nicht die Absicht, das herunterzuspielen. Aber Gefahr und Risiko sind nicht dasselbe: Die europäische Einstufung bezieht sich auf die intrinsische Gefahr eines Stoffes, während das Risiko von Konzentration, Exposition und Verwendungsbedingungen abhängt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Stoff, mit dem man in reiner Form umgeht, und demselben Molekül, das in Spuren in einem Duftöl vorkommt, das seinerseits in einer Dosierung von etwa 10 % im Wachs verdünnt ist – wobei auch die Verbrennung eine Rolle spielt.

In manchen Duftölen für Kerzen können als CMR eingestufte Stoffe in den verwendeten Rohstoffen von Natur aus enthalten sein, und ihr Vorhandensein ist mitunter technisch unvermeidbar: Erst dadurch werden viele Düfte überhaupt möglich und können ihren ganzen olfaktorischen Reichtum entfalten. Sie aus Prinzip zu entfernen, würde die Palette verarmen lassen, ohne dass das Produkt dadurch zwangsläufig sicherer würde.

Deshalb stehen wir zu unserer Haltung: Statt auf diese Duftöle zu verzichten, kontrollieren wir sie streng – mit gesetzlichen Grenzwerten, Anforderungskatalog, IFRA-Zertifikat und Sicherheitsdatenblatt – und deklarieren systematisch das mögliche Vorhandensein von CMR-Stoffen auf jeder Produktseite, über die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben hinaus. Und wenn ein Stoff auf europäischer Ebene neu eingestuft wird, passen wir uns den Vorschriften an und leiten eine Neuformulierung ein. Während eine Angabe „ohne CMR“ nichts über die Dosis oder den Rest der Formel aussagt, gibt Ihnen die transparente Dokumentation das Rüstzeug für eine wirklich fundierte Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze:
Nicht ein Hinweis auf dem Etikett schützt, sondern überprüfbare Dokumente und eingehaltene Dosierungen. Darauf setzen wir – damit Sie Ihrer Kreativität ganz unbesorgt freien Lauf lassen können.


Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden Rechtstexte und Fachstellen. Wir empfehlen Ihnen, sie direkt nachzulesen: